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Erna Ella Rubin (1927-2014)
Czernowitz, Transnistrien, Galați, Dimona
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Holocaust Erinnerungen aus Czernowitz
Mami
Erna Ella Rubin
Übersetzung aus dem Rumänisch: Julian Rubin

Die Schwestern Dora und Erna Bendit (Rubin) vor dem Holocaust (Dora auf der Linken)
1944 kehrten wir von Transnistrien nach Czernowitz zurück. Wir fanden eine Wohnung in demselben Gebäude, in dem wir vor der Deportation gelebt haben, aber in einem höheren Stockwerk, genau über der Wohnung, in der wir vorher gelebt haben.

Die Straße, in der wir vor dem Krieg lebten, Maria Theresiengasse, zweigte von der Hauptstraße der Stadt ab - der Herrengasse. Entlang dieser Straße befanden sich drei Kinos, und am Abend und Sonntagmorgen wurde die Straße zu einer summenden Promenade - Kinder und Erwachsene machten einen angenehmen Spaziergang.

Unser Haus hatte drei Zimmer - eines sehr groß mit Fenstern zur Straße, eines ziemlich groß und das kleinere hatte auch ein Fenster zur Straße. Das kleine Zimmer war Doras, meine Schwester, und mein Lieblingszimmer.

Darüber hinaus hatten wir eine sehr große Küche mit eingebautem Backofen in einer Ecke mit angrenzender Speisekammer zur Aufbewahrung von Lebensmitteln. Die Wohnung hatte auch ein Badezimmer mit Badewanne und ein kleines dienstbotenzimmer für einen Hausangestellten.

Ich kann sagen, dass wir in einem geräumigen Haus komfortabel gelebt haben.

In den Jahren 1944-45 kamen viele Russen nach Czernowitz, und es gab einen Mangel an Wohnraum. Die russischen Behörden konfiszierten Zimmern von bestehenden Mietern, um ihre Leute unterzubringen.

Eines Tages klingelte es an der Tür und ein junges Paar stellte sich vor. Er trug eine russische Militäruniform eines Major und sie eine sanfte Frau, die wir erst später als schwanger erkannten.

Udi Rubin, Ernas Enkel, vor dem Gebäude der Maria Theresiengasse Nr. 6 wo Erna lebten - 2010

Sie sprachen mit meiner Mutter Jiddisch und sagten, sie hätten erfahren, dass wir ein zusätzliches Zimmer haben, und fragten höflich, ob sie es haben könnten, da dass Zimmer auf jeden Fall von Leuten weggenommen würde, die wir vielleicht nicht mögen würden und dass sie zumindest Juden wären.

Meine Mutter war sofort einverstanden, weil klar war, dass das, was sie sagten, Sinn ergab.

Den neuen Bewohnern bekamen das kleine Zimmer und der freie Zugang zur Küche gewährt. Sie haben sich in nichts eingemischt, da sie sanftmütig und rücksichtsvoll waren.

Nach ein paar Monaten brachte die Frau (ich erinnere mich nicht an ihren Namen) ein kleines Mädchen zur Welt. Bedauerlicherweise wurde das Baby mit einem Defekt in einem ihrer Beine geboren. Ich ging mit der Frau ins Krankenhaus, um ihr zu helfen, weil sie nach der Geburt schwach war. Nach sechs Wochen starb das Baby. Die Mutter war depressiv und litt an einer Mastitis (Brustdrüsenentzündung), während ihr Mann an Magengeschwüren litt, wahrscheinlich weil seine Frau nicht zu Hause war und seine provisorische Ernährung das Geschwür verschlimmerte.

Das Paar waren beide krank im Bett lagen und ich kümmerte mich um sie. Jetzt verstehe ich, dass ich sehr hilfreich war. Ein paar Mal am Tag ging ich in das Zimmer und fragte, ob sie etwas brauchten und der Ehemann sagte strahlend: "Mami ist da!"

Der Major hatte einen jüngeren Bruder, ebenfalls einen Offizier, und besuchte gelegentlich seinen Bruder. Ich habe ihn mehrmals gesehen, er war groß und dünn.

Der Major wollte, dass ich seinen Bruder heirate, und er hatte alle Gründe dafür, da ich schön und nützlich war und ich war eine kleine Hausfrau, als ich auf sie beide aufpasste, als sie krank waren.

Wir haben diesen Vorschlag nicht ernst genommen, denn ich war erst 17 Jahre alt und wir wollten nach Galati in Rumänien zu verlassen.

Geschichten aus dem Lager

Der Geheimsprache Onkel Hermann Mami


Dokumenten

Ein Dokument der rumänischen Regierung, das aussagen, dass Erna Rubin nach Transnistrien deportiert wurde.

Die andere Seite des Dokuments

Das Originalmanuskript auf Rumänisch






Bilder von Erna Rubin


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